KG Glehn Karneval Glehn Eifel

Karnevalsgesellschaft Äzebälleg 1953 Glehn e.V.


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Vor 1953

Historie

Ursprung und Entstehungsgeschichte der KG Äzebälleg


Der Überlieferung nach hat der Glehner Straßenkarneval seinen Ursprung in den Nachkriegsjahren des 1. Weltkriegs. Im Jahr 1925 zogen erstmalig Kinder singend von Haus zu Haus. Und 1927 tanzte ein von Musikern, die mit Ziehharmonika, Deckeln alter Kessel und Teufelsgeige ausgerüstet waren, begleiteter Äzebär durch unser schönes Eifeldorf. Singend und feiernd zog die Menge durch die Glehner Straßen sowie durch Nachbardörfer hinter dem Azebär her. An einem der jecken Tage wurde ein Tanzabend in Kostümen abgehalten. Zum Tanz spielte die Kapelle Martin Bauer mit Arnold Becker (Vater von Becker Dreschen) am Klavier. So wurde der Fastelovend in den kommenden Jahren regelmäßig gefeiert.

Im Jahr 1937 verlor der Karneval auch in Glehn zunehmend an Bedeutung, durch den Bau des Westwalls wurden Karnevalsveranstaltungen immer seltener. Der bevorstehende Krieg und die damit verbundenen Einschränkungen, Sorgen und Ängste ließen den Karneval hinter das damalige Zeitgeschehen in den Hintergrund treten. Mit dem Beginn des 2. Weltkriegs im Jahr 1939 endete in Glehn der Fastnachtsbrauch vollständig.

Nach dem Ende des 2. Weltkriegs, Fastnacht 1946, entschlossen sich vier Glehner, den Fastnachtsbrauch wieder zum Leben zu erwecken. Die Idee hatte Franz Müllem, genannt Onkel Franz, der nach dem Krieg den Mühlenbetrieb seiner Nichte Elsbeth Weiler geb. Falter weiterführte. Deren Ehemann Christian Weiler war im Krieg gefallen. Elsbeth und Christian Weiler waren übrigens die Eltern von Dieter Weiler, dem langjährigen 1. Vorsitzenden der KG. Onkel Franz begeisterte seine Neffen Karl-Heinz und Heribert Falter sowie deren Freund Rudi Bröders für sein Vorhaben, den Fastelovend in Glehn wieder aufleben zu lassen. Mit selbstgebranntem Schnaps, der in alte Feldflaschen abgefüllt wurde, zogen sie am Karneval durch das Dorf von Haus zu Haus. Die Begeisterung vieler Glehner war so groß, dass man sich anschließend in der Wirtschaft „Lennartz“ traf um dort weiter zu feiern. Die Inhaber der Wirtschaft „Lennartz“, die ehemalige Gaststätte „Zur alten Post“, waren Ludwig und Luzi Lennartz, Eltern von Elisabeth Heid, der Frau von dem Gründungsmitglied der KG Josef Heid. So könnte man die Fastnacht 1946 als eigentliche Geburtsstunde der heutigen Karnevalsgesellschaft „KG Azebälleg„ betrachten.


In den darauffolgenden Jahren schlossen sich den vier Urprungskarnevalisten immer mehr Karnevalsfreunde an. Getanzt wurde im Saal „Lennartz“ mit Akkordeonmusik. In späteren Jahren spielte der Musikverein „Waldlust Glehn“ zum Tanz auf. Unter der Leitung von Brandmeister Heinrich Kratz (Vater von Paul-Heinz und Rainer) stellte die Freiwillige Feuerwehr Glehn Anfang der 50er Jahre die Funkengarde mit Mariechen. Dazu wurden die Kostüme mit viel Eifer selbst hergestellt. Das Standquartier der Funkengarde war bei Trautchen und Anna Grahn.

Am Morgen des Rosenmontags verkauften die Funken im ganzen Dorf weisse Papierrosen. Mittags gab es dann eine kräftige Ebsensuppe mit Speck, gekocht von Trautchen Grahn.







Äzebälleg, Funken und Funkenmariechen
– Erinnerungen von Hannelore Ackermann, geb. Vitt (1941 in Glehn)




Hannelore hier im Jahr 2020 am Äze-Sonntag in Glehn




Die historischen Bilder veröffentlichen wir mit herzlichem Dank an Rainer Kratz

Hannelore Ackermann, Äze Sonntag 2020


Unser Vater, Adolf Vitt (geb 1907, gest. 1989), war auch einer der Gründer des 1953 gegründeten Karnevals-Vereins Äzebälleg. Dieser entstand zur Hauptsache aus der Feuerwehr und sonstigen Karnevalsfreunden. Also wurden junge Feuerwehrmänner zur Funkengarde ausstaffiert. Das Geld war nicht da für neue Kleidung. Man war immer erfinderisch in Sachen Kostüme. Die Feuerwehruniform wurde aufgemöbelt: Die Kragen und Taschenklappen mit weißem Samt benäht, die äußere Hosennaht senkrecht mit Goldlitze ausgestattet. Die Gewehre aus Holz wurden in der Schreinerei (Valderstraße) von Heinrich Kratz (Vater von Rainer und Paul-Heinz) hergestellt. In dem Lauf steckte eine dicke weiße Rose aus Papier. Die Helme aus Pappe waren auch Marke „Eigenbau“. Dann wurde stramm exerziert und geübt. Fertig war eine stolze Garde.
Heinz Eichen war Kommandant der Feuerwehr und unsere Maria mit Heinz verlobt. So war es klar, sie wird sein Funkenmariechen. Maria war stolz und sie legte allen Eifer in die Sache. Meine Brüder Werner und Hans waren auch in der Garde, so war es ganz klar, Kathi und ich mussten die Uniformen auf Hochglanz bringen und benähen. Wir machten es gerne und waren mächtig stolz auf unsere schlanken, schönen und akkuraten Funken und Mariechen. Ich habe drei Funkenmariechen erlebt:
Maria Vitt, Marlene Virnich, Marianne Engels.
Mitglieder der Funkengarde waren u.a.: Rainer und Martin Bartsch, Hans Floß, Josef Claßen, Karl-Heinz Falter, Hubert und Rudi Bröders, Heinz Eichen etc.


Funken mit Funkenmariechen Marianne Engels vor der Gaststätte Lennartz mit Rudi Bröders (links) und Josef Claßen (rechts) im Arm. Links neben Rudi Bröders steht Helmut Engels.

v.l.n.r.: Rainer Bartsch, Martin Bartsch, Gisela Schneider, ganz rechts Erika Blum
Reihe dahinter: links Helmut Engels
Reihe davor Kinder: ganz vorne Christa Ackermann (geb. Vitt), rechts daneben in weiß Karin Schaub, rechts daneben Anneliese Schmitz, vor Josef Claßen steht Erika Blum.



Rosenmontagszug 1954 mit Maria Vitt als Funkenmariechen und Heinz Eichen als Kommandant, Kind Ottmar Züll, rechts neben dem Wagen Bürgermeister Peter Engels, Traktor von Johannes Züll, Gebäude im Hintergrund Ecke Leisten/Blum heute Leisten Wolfgang und Finchen





















Glehner Funkengarde mit Frau Elisabeth Guthausen als Zigeunerin am Pastorat (1958)


v.l.n.r. Ehrenkomitee Karl-Heinz Falter, Hubert Bröders, Dechant Paulus, Funkenmariechen Marlene Virnich, Tanzoffizier Rudi Bröders vor der alten Schule am Dorfanger (um 1955)


"Fastelovend" - Rosenmontag in meiner Jugend in Glehn (1945-60)
Erinnerungen von Hannelore Ackermann geb. Vitt (10.01.2020)

Als Kinder liefen wir verkleidet als Schornsteinfeger, Bäcker, Koch oder Rotkäppchen und Zwerge in die Häuser und sangen Heischelieder.
Die klangen so:

Hier wohnt ein reicher Mann
Der uns was geben kann
Hang die Leder (Leiter) an die Wand
Hol dat Metz (Messer) in die rechte Hand
Schneck jet von der Decke (Wurst)
Loss die Schmahle (dünne) stecke.


Oder:

Ein Kind betätigte eine Raspel:
Rappele, rappele Rengelche
He stohn paar ärme Kengelche
Jet en jett, un lott se net stohn,
denn se mösse noch widder john.


Dann bekam man Schmalzgebackenes oder eine Waffel, manchmal einen Groschen. Man bedankte sich artig und zog weiter zum nächsten Haus.
Mit 15-16 Jahren fühlten wir uns zu groß für die Kinderbräuche, aber wir waren zu jung für Gastwirtschaft und Tanzvergnügen. Wir übten fleißig im Wohnzimmer tanzen.
Im Kirchenchor durften wir uns schon beteiligen. Mit Freundinnen trafen wir uns Sonntagnachmittags zum Spaziergang. In Glehn waren viele kinderreiche Familien. So auch wir, Familie Vitt: 12 Kinder, 7 Mädel und 5 Jungs. Da gab es Freundinnen und Freunde genug. Die Advents- und Weihnachtszeit war ruhig und besinnlich in der Familie und feierlich in der Kirche. Sie war für uns die schönste Zeit im Jahr.
Danach folgte nun Fastelovend und mit 17-18 Jahren wollten wir Mädels nicht mehr nur zuschauen, wir wollten mitmischen. Fernseher war nicht, man hatte eigenen Humor und Originale. Manches Kuriose vom vergangenen Jahr kam in die Bütt und wurde im Rosenmontagszug dargestellt. So muss ich etwas ausholen in die Glehner Familien und Originale: Im Gäßchen wohnte eine Bauernfamilie Theo Grahn. Sie waren kinderlos. Damit der Hof erhalten blieb und bewirtschaftet wurde, nahmen sie eine Nichte mit Ehemann aus der Mausfallengegend beim Helenenberg, oberhalb von Bitburg, zu sich nach Glehn. Das waren Klaus und Gredi Marxen.
In unserem Dorf wurde jeder neue Bürger gut in Augenschein genommen. So auch bei uns jungen Weiberchen. Wir passten gut auf, wie sich Neue gaben und sprachen. Marxen Klaus, ein dunkler schlaksiger Typ mit rollenden Augen. Sein Dialekt war für uns lustig: „hei, dau und e loh“…..Wir äfften den nach und machten unsere Witze. Auch in der Landwirtschaft arbeitete er anders als unsere Bauern und machte sich damit zum Gespräch. Aber in der Gastwirtschaft war er gern und oft zu sehen und viel belacht. So wurde er ein Lustobjekt für uns im Karneval. 1958-59 war es nicht üblich, dass Mädchen einen Karnevalswagen machten und wir wollten das ändern. Wir hatten eine tolle Truppe und liebe begeisterte Helfer und Helfers Helfer. Essers Kathi, Christa, Erika und Hannelore Vitt, Irmgard Dick und Anneliese Schmitz, wir waren meistens zusammen. Unser Plan war, den Alltag und das Leben und Wirken von Marxen Klös darzustellen auf einem gezogenen Wagen am Rosenmontag unter dem Motto „Klös Marxen“. Der Wagen musste vorbereitet und geschmückt werden. Bei uns zuhause in der Scheune ging das nicht. Unser Vater hätte es nie geduldet, dass wir andere Leute lächerlich machten. Also musste das alles heimlich geschehen. In der Weberstraße wohnten vier Familien Schmitz dicht nebeneinander, alle waren Bauern. Zur Unterscheidung hatte jeder Hof einen Beinahmen, so auch Birke Josef. Diese Familie hatte ausgesiedelt im Klein-Valder (heute Wildstraße). Das alte Gebäude war vermietet an zwei Witwen mit Söhnen, Käthe Floß und Elisabeth Guthausen. Beide Frauen waren lustig und trotz ihrer Armut und Leid nach dem Krieg, hatten sie viel Humor und Verständnis für uns Jugendliche. Frau Guthausen war Kölnerin, sie hatte Temperament im Blut und lachte gerne. In der Scheune war ein kleiner Anhänger von Birke, den wir nutzen durften. Wir schleppten also ein altes Eisenbett darauf und einen alten Sessel, noch einige andere Utensilien. Meine Schwester Erika wurde im altfrenschen (steif und unmodern) Schlafanzug mit Zipfelmütze ins Bett gesteckt. Sie stellte Klös bei einem Aufenthalt im Mechernicher Krankenhaus dar. Essers Kathi war im Sessel festgebunden, mit Schal um den Kopf mit dicker Backe und sie jammerte erbärmlich. Ich selbst war in der Ausbildung beim Zahnarzt und hantierte im weißen Kittel mit einer Spritze und Zange im Mund von Marxe Klös. Meine Schwester Christa und Anneliese Schmitz stellten ihn in Kleidung und Manier dar. Irmgard Dick machte den Kneipenmann, wenn er ins Gäßchen schwankte. Guthausens Manfred war bei der Firma Wado in Kommern. Er machte die Schilder und Plakate und brachte so unser Motto (Marxe Klös) gut herüber. Jeder konnte Marxen Klös schnell erkennen. Er stand selbst mit seiner Frau Gredi und den Kindern an der Ecke zum Gäßchen. Als er uns Weibchen mit sich selbst als Motto sah, zeigte er uns den erhobenen Zeigefinger und lachte dazu. Die Dorfleute standen am Wegrand und erfreuten sich an dem Treiben. Ich meine Zülls Johannes hat den Traktor gefahren.
Wurfmaterial war noch nicht üblich. Man hatte einfach Spaß und Freude am Fastelovend, bevor der Ernst der Fastenzeit begann. Alkohol spielte noch keine Rolle. Doch wir waren unternehmungslustig beim Planen mit vollem Eifer. Wir hatten große Freude daran, im Rosenmontagszug als Mädchen erstmalig mitzuwirken.

Rosenmontagszug im Schnee
Links Hans Floß, rechts Josef Claßen, dahinter Musikverein mit Gertrud Grahn 1955







Paul-Heinz und Rainer Kratz vor ihrem Elternhaus in der Valderstraße (1938)





Rainer und Paul-Heinz Kratz, Josef Bröders vor dem alten Spritzenhaus und Gefängnis am Dorfanger 1938 (dahinter ist die Nähstube von Gretchen Claßen zu sehen, in der unsere Kleider genäht wurden)





Kindergarten zu Fastnacht in der Mühlengasse mit der Kindergärtnerin Grete Schmitz 1938. Vordere Reihe: die Zwillinge Rainer und Paul-Heinz Kratz, Maria Vitt (Mädchen mit dunklem Mantel und weißen Knöpfen)





Kinder zu Fastnachtsdienstag an der alten Schule auf dem Dorfanger (1949)
Vordere Reihe: Paul-Heinz Kratz, Herbert Terhag, Hans-Peter Engels (Rote Erde), hintere Reihe Rainer Kratz und Andreas Terhag




Reihe eins vorne kniend: Willi Wellershausen, Peter Kurth, Paul-Josef Schmitz, Herbert Terhag

Reihe zwei auf der Bank: Dieter Schinker, Gerta Wellershausen, Kathi Esser, Gisela Schneider, Helmut Studnik

Reihe drei stehend: Peter Esser, Albert Naßheuer, Hubert Terhag, Paul Esser, Maria Vitt, Rainer Kratz, Heinz Eichen, Willi Braun, Franz-Josef Görgen, Therese Leisten

Reihe vier: Peter Leisten, Cäcilie Naßheuer, Marianne Engels, Agnes Wellershausen, ?, Franziska Esser, Johann Leisten, Andreas Terhag, Johann Vitt, Kethe Engels, Elfriede Claßen

Reihe fünf: ?, Kathi Vitt, Paul-Heinz Kratz, Karin Hühnerbach, Grete Braun, Marlene Larres, Agnes Schmitz, Karl Vitt, Fritz Bartsch

Alte Schule am Dorfanger, 1949









Rainer Kratz an der alten Schule auf dem Dorfanger (1949)


Maria Vitt als Schneeflöckchen vor der Schule (1949), rechts mit Walter Bodewig (ausgebombte Familie aus Köln)








v.l.n.r.: Peter Esser (Hostel), Karl Hemmert, Rainer Kratz, Mühlengasse (1951/52) vor dem Hause Pohl in der Mühlengasse


Linkes Foto: hinten rechts Werner Vitt mit seinem Vater Adolf Vitt an der Tuba am Dorfanger, Kind vorne rechts: Herbert Terhag (ausgebombte Familie aus Köln)
Rechtes Foto: v.l.n.r.: Irene Wohde, Ottmar Züll, Inge Wohde, Benno Wohde vor der Gastwirtschaft Lennartz



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